Kinderlebensmittel
Extrawurst für Kinder? Nein danke!

Sie sind schön bunt und locken mit "extra viel Milch" oder "wertvollen Vitaminen": Kinderlebensmittel sind der Hit - zumindest in der Eigenwerbung. Denn kindgerecht sind sie nicht: zu viel Zucker, zu viel Fett, zu viel Aroma und manchmal sogar zu viele (!) Vitamine. Hier erfährst Du, was wirklich in den Kinderlebensmitteln steckt - und was gute Alternativen sind.

Kinderlebensmittel, nein danke!
© iStock, kate_sept2004

Die Hersteller von Kinderlebensmitteln stellen die Ernährungspyramide auf den Kopf, hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE) herausgefunden. Denn die allermeisten der so genannten Kinderlebensmittel sind Süßigkeiten oder Gebäck. Die Gruppe der Milchprodukte ist ebenfalls ziemlich groß. Und auch bei Würstchen und Aufschnitt können die kleinsten Konsumenten zwischen Produkten in Bären-, Mickeymaus- und vielen anderen Formen auswählen. Was fast gar nicht vorkommt: Obst- und Gemüseprodukte oder gesunde Vollkornprodukte. Und die meisten Frühstücks-Cerealien für Kinder haben vor allem von einem viel: Zucker.

Bestenfalls Mogelpackungen

In der Werbung und auf den Verpackungen hört sich das alles viel besser an: Extra viel Kalzium ist da angeblich im Joghurt, weniger Zucker im Müsli oder ganz viel Milch im Schokoriegel. Schaut man aber genauer auf die Inhaltsstoffe und Nährstoffgehalte, entpuppen sich die Kinderprodukte dann bestenfalls als vollkommen identisch mit den normalen Produkten - oder sogar als fettreicher, süßer oder überdosiert an Vitaminen oder Mineralstoffen. Wenn Eltern ihren Kinder (und ihrem Geldbeutel) wirklich etwas Gutes tun wollen, kaufen sie diese Lebensmittel am besten gar nicht erst.

Kinderlebensmittel - und gute Alternativen

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Produkte, die keiner braucht

Fest steht sowieso: Spezielle Kinderlebensmittel braucht man nicht - da sind sich Ernährungsexperten einig. Ab dem ersten Lebensjahr können Kinder am normalen, ausgewogenen Familienessen teilnehmen und (mit einigen wenigen Ausnahmen) all das essen, was Mama und Papa schmeckt. Was genau ein Kinderlebensmittel ist, dafür gibt es auch gar keine feste Definition. Die Hersteller müssen sich nicht an bestimmte, kindgerechte Richtlinien halten. (Zu unterscheiden sind diese Produkte aber unbedingt von Lebensmitteln für Kleinkinder, die auch oft "ab 12 Monate" ausgewiesen werden. Sie unterliegen wie die Säuglingsnahrung der Diät-Verordnung, die für Rückstände, Schadstoffe und bestimmte Inhaltsstoffe strenge Regeln setzt.)

Kinder essen zu viel Wurst und Süßigkeiten

Dennoch scheinen die Kinderlebensmittel keine Absatzprobleme zu haben. Die ESKIMO-Studie, eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts zum Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen (ESKIMO-Studie) hat gezeigt, dass Kinder zu viele fettreiche, tierische Lebensmittel (Fleisch und Wurst) und deutlich zu viele Süßigkeiten essen. Obst und Gemüse kommen zu kurz, bei den Fetten werden zu wenig ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren aufgenommen.

Von allem etwas zu viel - warum sind Kinderlebensmittel so problematisch?

  • Kinderlebensmittel sind zu süßKinder lieben alles was süß ist. Das wissen auch die Hersteller von Kinderlebensmittelprodukten und langen so richtig hinein in den Zuckertopf. Manches Kinderprodukt enthält allein so viel Zucker, wie ein Kind pro Tag höchstens zu sich nehmen sollte. Damit Mama oder Papa das Produkt aber auch kauft, werden auf den Verpackungen kleine Ablenkungsmanöver gefahren: Fruchtgummi glänzt dann "ohne Fett" (aber mit ganz viel Zucker) oder ein Milchriegel "ohne Kristallzucker". (Was nicht heißt, dass nicht anderer Zucker drin wäre.) Oder der Zuckergehalt wird verschleiert, indem er auf einzelne Zuckerarten aufgeteilt wird: Geringere Mengen von Zucker, Traubenzucker, Honig und Milchzucker in einem Produkt machen zusammen aber leider auch einen sehr hohen Zuckergehalt aus. Zu viel Zucker kommt nicht nur in der Süßwarenecke vor - auch Fruchtsaftgetränke, Ketchup oder Milchmischgetränke für Kinder sind viel zu süß.
  • Kinderlebensmittel sind häufig zu fett und enthalten das falsche FettSchmeckt Wurst in Bärchenform Kindern wirklich besser? Tests von Verbraucherzentralen oder der Stiftung Warentest lassen daran eher zweifeln. Denn meistens unterscheiden sich Kinderwurstwaren von ihren Zutaten her überhaupt nicht von "normalen" Produkten. Oder sie sind mit Vitaminen und Aromen angereichert, die schlimmstenfalls eine Überversorgung zur Folge haben. Ein weiteres Problem bei den Kinder-Wurstwaren: Kinder essen heute sowieso schon zu viel Wurst und Fleisch - spezielle Kinderwurst regt noch mehr zum Verzehr an. Fette Wurstwaren wie Mortadella oder Salami sollten von Kindern nicht zu häufig gegessen werden.
  • Kinderlebensmittel enthalten nur vermeintlich viel Kalzium Gerade Hersteller von Kinder-Fleischprodukten fügen gerne Molkenpulver bei und erhöhen dadurch den Kalzium-Gehalt ihres Produktes. Da Studien bereits gezeigt haben, dass Kinder nicht optimal mit Kalzium versorgt sind, könnte dies ja eigentlich als positiver Ansatz betrachtet werden. Hinweise wie "Kalzium" oder "plus Kalzium" auf den Packungen sind nach Meinung von Stiftung Warentest aber dennoch eine Irreführung des Verbrauchers: Schließlich sei Wurst kein Lebensmittel, das als Hauptlieferant von Kalzium dienen könne. Und Kinder sollten lernen, dass sie besser durch Milch und Milchprodukte ihren Kalziumbedarf decken können.
  • Kinderlebensmittel werden häufig mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichertDas ist doch eigentlich eine gute Nachricht! Falsch gedacht, denn erstens sollten Kinder so ausgewogen essen, dass sie einen Zusatz von Vitaminen in Lebensmitteln gar nicht nötig haben. Und zweitens wird die Nährstoffzufuhr bei Kinderlebensmitteln nicht etwa am Bedarf der Kinder ausgerichtet, sondern an den Referenzwerten für Erwachsene, informiert das Bayerische Verbraucherschutzministerium. Eine Überdosierung einzelner Vitamine kann die Folge sein. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund hat herausgefunden, dass ein Kind, das pro Tag fünf angereicherte Kinderlebensmittel isst, das zwei- bis siebenfache der empfohlenen Menge an Vitaminen zu sich nimmt.
Von:Eva Becker