Erster Zahnarztbesuch
Die besten Tipps vom Kinderzahnarzt

„Hast du auch Angst vorm Zahnarzt“, will der kleine Leo von seiner Kindergartenfreundin Emma wissen. Und schon ist es da, das ungute Gefühl. Es muss aber nicht bleiben. Denn schon mit ein paar einfachen Tipps und Tricks kann der erste Zahnarztbesuch für Kinder völlig unaufgeregt und angstfrei gestaltet werden. Die besten haben wir für Sie gesammelt.

Kinder üben Zähneputzen
© Bundesverband der Kinderzahnärzte
Inhalt: 
Immer mit der RuheKeine Horror-StoriesWieso nicht ein bisschen Schönreden?Belohnungen nicht an Bedingungen knüpfen!Immer langsam mit den jungen PatientenSpielerische AblenkungBitte nicht schimpfen!Ohne Angst und SchmerzenKörperkontakt: Weniger ist mehrNach dem Zahnarzt ist vor dem Zahnarzt

Das können Eltern vor dem Termin tun, um den ersten Zahnarztbesuch zu einem positiven Erlebnis zu machen:

Immer mit der Ruhe

Der erste Termin sollte möglichst entspannt sein, so Melanie Elger, Kinderzahnärztin aus Hamburg. „Behandeln Sie den Zahnarztbesuch als wäre er so alltäglich wie Einkaufen, aber quetschen Sie ihn nicht zwischen andere Termine“, so die Medizinerin. Kinder lesen viel zwischen den Zeilen. Vermittelt man ihnen das Gefühl, dass etwas Besonderes ansteht, steigt die Aufregung. Also, bitte kein Lärm um Nichts.

Keine Horror-Stories

Der Gedanke an den Zahnarzt treibt Ihnen den Schweiß auf die Stirn und der Geruch nach Zahnarzt lässt Ihren Puls rasen? Das ist bedauerlich, aber versuchen Sie, eigene negative Erfahrungen nicht auf Ihr Kind zu übertragen. Das gilt auch für Kita-Freunde und Verwandte. Sobald man von einem anstehenden Zahnarztbesuch erzählt, hat jemand eine Horrorstory zu berichten. „Das Kind sollte möglichst unbelastet zum ersten Zahnarzttermin kommen, so Elger. Jetzt hat das Kind die vielleicht einmalige Chance, mit einer guten Erfahrung seine „Zahnarztkarriere“ zu beginnen. Also behalten Sie den Termin lieber für sich und erzählen ihrem Kind erst kurz vorher davon.

Wieso nicht ein bisschen Schönreden?

Ein Gespräch über den Zahnarzt birgt viele sprachliche Fallstricke. Spritze, Bohren, Schmerzen, Betäuben sind für Kinder Reizwörter, die ihnen Angst machen können. Bei Kinderzahnärztin Melanie Elger werden aus der Spritze „Traumkugeln“, aus dem Bohrer ein „Kugelputzer“ und das bei einigen Behandlungen eingesetzte Lachgas zur „Zauberluft“.
Kinderzahnärzte sind da sehr kreativ und bitten die Eltern der kleinen Patienten schon im Vorfeld, sie zu vermeiden und sich auf andere Begrifflichkeiten einzulassen.
Auch Sätze wie „ Es wird bestimmt nicht wehtun“ oder „Du brauchst keine Angst zu haben“ sind auf der schwarzen Liste. Denn Sie sagen dem Kind zwischen den Zeilen, das es da eigentlich doch einen Grund geben könnte, Angst zu haben.

Belohnungen nicht an Bedingungen knüpfen!

Auch eine in Aussicht gestellte Belohnung für braves Mundaufmachen, ist nicht sinnvoll. Der Bundesverband der Kinderzahnärzte ist der Meinung, dass ein zuvor versprochenes Belohnungsgeschenk das Kind bei der Behandlung zu stark unter Druck setzt und den Eindruck vermittelt, dass es etwas Unangenehmes überstehen müsse. In den meisten Kinderzahnarztpraxen erhält der kleine Patient im Anschluss eine Kleinigkeit vom Praxisteam.

Und das tut der Kinderzahnarzt, um den ersten Zahnarztbesuch zu einem Erfolg zu machen:

Immer langsam mit den jungen Patienten

Mit Stofftier Zähne putzen üben
Mit Stofftier Zähne putzen üben
© Amin Farah

Der Trick bei der ersten Behandlung ist, dass es gar keine Behandlung gibt. In den meisten Kinderzahnarztpraxen dient der erste Besuch in der Praxis „nur“ dem Kennenlernen der Personen und der ungewohnten Umgebung. Oft dürfen die neuen Patienten einem Stofftier die Zähne putzen und die Zahnarzthelferin zeigt dem Kind die Behandlungsliege und die wichtigsten Instrumente. Haben die Kinder z. B. den Absauger mit seinem lauten Geräusch schon einmal gehört und gesehen, ist er ihnen später schon vertraut und weniger angsteinflößend.
Je nach Kind wird beim ersten Besuch auch schon einmal in den Mund geschaut und die Zähne gezählt. Bei älteren Kindern steht auch das gemeinsame Putzen in der „Zahnputzschule“ auf dem Plan. Mit Stofftier Zähne putzen üben Mit Stofftier Zähne putzen üben Amin Farah

Spielerische Ablenkung

Kinderzahnärzte achten verstärkt darauf, dass der Zahnarztbesuch in positiver Erinnerung bleibt. Die Räume der Praxis sind hell und bunt gestaltet. Im Wartezimmer gibt es reichlich Spielzeug und die Sprechstundenhilfen sind im Umgang mit Kindern besonders geschult.
Bei einer Behandlung nutzen sie spielerische Ablenkungsstrategien. Sie fragen das Kind nach seinem Kindergarten- oder Schulalltag, was es sich zum nächsten Geburtstag wünscht oder lenken es mit lustigen Handpuppen ab, während der Zahnarzt eine Spritze setzt oder bohrt. In einigen Praxen hängen über den flachen Behandlungsliegen Bildschirme auf denen Zeichentrickfilme laufen.

Bitte nicht schimpfen!

Trotz aller Ablenkung und guter Vorbereitung, gibt es Kinder, die bei einer Behandlung nicht mitmachen wollen. Melanie Elger bittet die Eltern in solchen Fällen, keinesfalls zu schimpfen oder schon im Vorfeld zu drohen. Vielmehr sollte das Kind auch für kleine Fortschritte gelobt werden. Z.B. wenn es sich alleine auf die Liege legt, während es das beim ersten Besuch noch nicht wollte.

Ohne Angst und Schmerzen

Lachgasbehandlung beim Kinderzahnarzt
Lachgasbehandlung beim Kinderzahnarzt
© Bundesverband der Kinderzahnärzte

Um Kindern Schmerzen zu ersparen und eine medizinisch optimale Behandlung zu ermöglichen, bieten Kinderzahnärzte häufig eine Lachgasbehandlung an. Die „Zauberluft“ wird dem Kind über die Nase zugeführt. Lachgas hat eine angstlösende, leicht
schmerzlindernde und eine beruhigende Wirkung, so der Bundesverband der Kinderzahnärzte. Das Kind ist weiterhin bei Bewusstsein und ansprechbar. Erwachsene Patienten sprechen oft von einem beruhigenden Geborgenheitsgefühl und einem Verlust des Zeitgefühls. Gleichzeitig mit der Angst nimmt auch die Empfindlichkeit für Schmerzen ab und der Würgereiz wird extrem vermindert. Die Behandlung ersetzt in der Regel nicht die lokale Betäubung, sondern wird als Vorbereitung auf die Spritze und Unterstützung während längerer Bandlungen genutzt.
Lässt das Kind auch diese Behandlung nicht zu, muss unter Umständen über eine Vollnarkose nachgedacht werden. Lachgasbehandlung beim Kinderzahnarzt Lachgasbehandlung beim Kinderzahnarzt Bundesverband der Kinderzahnärzte

Körperkontakt: Weniger ist mehr

Bei kleinen Kindern sind die Eltern bei der Behandlung dabei. Melanie Elger weist aber darauf hin, dass dem Kind wenig geholfen ist, wenn sie es streicheln oder beruhigend auf es einreden. Dem Kind werde dadurch wieder signalisiert, dass nun etwas Schlimmes kommt. Auch durch ein unaufgeregtes Handauflegen spürt das Kind, dass sie da sind, so der Tipp der Kinderzahnärztin.

Nach dem Zahnarzt ist vor dem Zahnarzt

Auch hier gilt es, falsche Signale zu vermeiden. Mögen Sie selbst beim Verlassen der Kinderzahnarztpraxis denken „Gott sei dank, es ist gutgegangen!“, behalten Sie das besser für sich. Und bitte denken sie daran: Ihr Kind hört bei einem „War doch gar nicht so schlimm!“ oder „Siehst du, hat doch gar nicht weggetan!“ etwas anders: „Aha, es hätte also doch wehtun können!“

Übrigens: Auch wenn Sie in Ihrer Umgebung keinen Kinderzahnarzt haben, können Sie viele der Tipps für sich selbst nutzen. Rufen Sie Ihren Zahnarzt vor dem ersten Termin an und fragen wie der erste Zahnarztbesuch in dieser Praxis ablaufen wird.

Sollten Sie einen Kinderzahnarzt bevorzugen, können Sie beim Bundesverband der Kinderzahnärzte nach einer Praxis in Ihrer Nähe suchen.

Von:Sandra Hermes29.10.2015