Trotzphase
Weg mit dem Wutmonster!

Mit unserem 4-Punkte-Programm lassen sich kleine Wüteriche besänftigten. Lesen Sie, wie Sie in stressigen Trotzphasen am besten reagieren. Drei Elternpaare haben unseren Deeskalationsplan getestet und berichten, wie es ihnen damit erging. Außerdem: Kinderpsychologe Klaus Berwanger erklärt im Interview, warum die Trotzphase ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt für Kinder ist.

1. Bereiten Sie sich vor!

Trotzphase: Weg mit dem Wutmonster!

Die "Schutzimpfung" gegen Trotz wirkt nur wenn schon vor Ausbruch der Krankheit gehandelt wurde und nicht erst mittendrin – da läuft auch das elterliche Stressprogramm auf Hochtouren. Überlegen Sie also vorher, wie Sie bei Trotz reagieren wollen. Und klären Sie für sich diese Fragen: Wie bewahre ich meine Liebe? Wie sehe ich mein Kind (an)? Was mache ich, damit die Situation nicht eskaliert? Immer gut: Leiser reden, statt selber laut zu werden.

2. Fassen Sie die Gefühle Ihres Kindes in Worte!

Für kleine Menschen sind große Gefühle nur schwer in den Griff zu bekommen. Sagen Sie etwa: "Du bist wütend, weil du jetzt Schokolade willst." Und bieten Sie eine Lösung an wie: "Und die gibt es als Nachspeise nach dem Mittagessen."

Das Prinzip: Nicht viel reden, sondern das Richtige – das Wort "aber" gehört nicht dazu. Denn von dem Satz: "Aber du kriegst die Schokolade nach dem Mittagessen" kommt bei Kindern nur eines an, sagt Kinderpsychologe Berwanger: "Schokolade gibt es – jetzt – nicht. Das ist gemein." Der Grund dafür: "Aber" betont den Konflikt und entfacht Widerstand. "Und" beruhigt: Schokolade nach dem Mittagessen ist zwar nicht die beste Lösung in den Augen Ihres Kindes, doch immerhin eine Möglichkeit.

3. Personifizieren Sie die Wut!

Wer ist da eigentlich wütend? Der ganze Max? Oder sitzt die Wut im Bauch? Hockt da ein Wutmonster auf der Schulter und stachelt den armen Kerl an? Oder tobt ein Wutbär im Kopf? Wer den Schuldigen gefunden hat, ist schon zur Hälfte wieder raus aus dem Trotzanfall. Mama und Papa können an den vernünftigen Teil des Kindes appellieren: "Kannst du dem Wutmonster sagen, dass es morgen wieder Bonbons gibt?" Und auch Max kommt mit Anstand aus der Situation heraus: "Das war das Wutmonster, das mich geärgert hat."

4. Lassen Sie Ihren Wutzwerg nicht allein!

Kleine Menschen werden wütend, weil sie leiden. An der Überforderung, sich entscheiden zu müssen, zum Beispiel. Lego spielen oder Autos rausholen? Wenn Eltern den Wutanfall gelassen abwarten und ihr verzweifeltes Kind danach in den Arm nehmen, lernt es etwas Wesentliches: Mama und Papa haben mich immer lieb, auch wenn ich wütend werde. Sie helfen und trösten mich in schlimmen Situationen. Das gibt Sicherheit.

Praxistest 1: "Wir schicken den Motzbären mal vor die Tür!"

Wer trotzt? Lotta, 19 Monate, und Nils, 3. Maja, 7, zum Glück nicht mehr.
Wann? Lotta morgens, wenn Papa in die Arbeit geht und sie nicht mitdarf; Nils eine halbe Stunde später, wenn er sich für den Kindergarten anziehen soll.
Wer hält dagegen? Sandra und Jens Groh, beide pädagogisch nicht unbeleckt: Sandra hat ein paar Jahre als Tagesmutter gearbeitet, Jens ist Sozialpädagoge.
Greift das Eltern-Coaching? Total gut! Sandra: "Wenn Jens geht und Lotta wütet, bin ich da und tröste – gell, du bist traurig, weil du nicht raus darfst? Lass uns geschwind zu Ende frühstücken, dann gehen wir auch." Hilft nicht immer, aber oft: "Ich hätte nicht gedacht, dass Lotta schon so viel versteht – und einsieht. Indem ich uns beiden ihre Gefühle erkläre und eine Lösung anbiete, indem ich mit Lotta klare Absprachen treffe, bin ich für sie verlässlicher geworden."
Und wenn sich Nils nicht anziehen will und die Schuhe in die Ecke pfeffert, setzt Sandra einen imaginären Motzbären vor die Tür und erklärt ihrem Sohn: "Wenn der draußen ist, kannst du dich in Ruhe anziehen." Am Anfang war Nils perplex (Was will die Mama jetzt?), dann fand er’s lustig – aber das Wichtigste: Es funktioniert, zumindest im Moment.


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