Untergewicht
Wie dünn ist zu dünn?

Auffälliges Untergewicht gilt als ebenso gesundheitsgefährdend wie starkes Übergewicht. Gerade bei Kindern kann Untergewicht fatal sein, wenn es ihr Wachstum und die geistige Entwicklung beeinträchtigt. Doch wann ist ein zu niedriges Gewicht wirklich ein Grund zur Sorge? Wir klären auf über Symptome, Ursachen und Risiken von Untergewicht.

Inhalt: 
Was gilt als Untergewicht?Welche Ursachen kann Untergewicht haben?Untergewicht bei Kindern

Was gilt als Untergewicht?

Untergewicht: Wie dünn ist zu dünn?
© Thinkstock - AGorohov

Während in Entwicklungsländern der Anteil an Untergewichtigen in der Bevölkerung bei teilweise 50 Prozent liegt, ist er in westlichen Industrienationen vergleichsweise gering. Laut Statistischem Bundesamt sind knapp 2 Millionen Menschen in Deutschland untergewichtig. Dennoch darf das Problem Untergewicht auch hierzulande nicht unterschätzt werden. Gerade weil die Ursache nicht auf einen Mangel an Nahrungsmitteln, sondern in den meisten Fällen auf Erkrankungen zurückzuführen ist.
Um zu bestimmen, was noch als Normalgewicht und was bereits als Untergewicht gilt, wird der individuelle Body-Mass-Index (BMI = Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat) herangezogen. Bei Menschen mit einem BMI von unter 18,5 spricht man von Untergewicht. Der Wert an sich ist jedoch erstmal kein Grund zur Sorge, denn Untergewicht ist nicht automatisch gleichbedeutend mit Unterernährung. Einige Menschen nehmen stoffwechselbedingt einfach nicht so leicht zu. Solange sie sich normal ernähren, alle erforderlichen Nährstoffe zu sich nehmen und sich fit fühlen, ist ihr Untergewicht unproblematisch. Erst Symptome, die auf Mangelerscheinungen schließen lassen, wie permanente Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen sowie eine allgemein eingeschränkte Leistungsfähigkeit geben Anlass zur Sorge und bedürfen einer ärztlichen Abklärung.

Welche Ursachen kann Untergewicht haben?

Liegt tatsächlich eine Unterernährung vor, gilt es herauszufinden, ob die Ursache in einer unzureichenden Nährstoffzufuhr oder in einer schlechten Verwertung der Nahrung liegt. Neben drastischen Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie können Appetitlosigkeit und mangelnde Ernährung auch andere Gründe haben, zum Beispiel:

  • Nebenwirkung von Vergiftungen, Strahlen- oder Chemotherapie.
  • Erhöhter Energiebedarf, der z. B. durch Sport entsteht, wird nicht gedeckt.
  • Chronische Entzündungen im Mund, Rachen oder Kiefer erschweren die Nahrungsaufnahme.
  • Verschlüsse im Magen-Darm-Trakt.

Ist die Nahrungsaufnahme nicht das Problem, sind die Ursachen für das Untergewicht in einer Erkrankung zu suchen, die dafür sorgt, dass die aufgenommene Nahrung schlecht verwertet wird. Diese können unter anderem sein:

  • Enzymstörungen (z. B. Laktoseintoleranz)
  • Stoffwechselkrankheiten (z. B. Schilddrüsenüberfunktion)
  • chronische Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn
  • Krebserkrankungen
  • Parasiten
  • Gallenstauung
  • HIV-Infektion

Unabhängig davon, welche Ursache für das problematische Untergewicht diagnostiziert wird, sollte eine Therapie der Unterversorgung des Körpers entgegensteuern. Denn langfristig schwächt Untergewicht den menschlichen Körper und führt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen: von der erhöhten Infektanfälligkeit und der schlechten Wundheilung über Muskelschwund und Begünstigung von Osteoporose bis hin zu einer allgemein verminderten Lebenserwartung. Darüber hinaus kann Untergewicht bei Frauen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Untergewicht bei Kindern

Kinder können alters- und entwicklungsbedingt vorübergehend untergewichtig sein. Immer dann, wenn ein starker Wachstumsschub einsetzt, dauert es meist seine Zeit, bis das Gewicht sich der neuen Größe angepasst hat. Das kann im Babyalter genauso passieren wie im Kleinkindalter und später in der Pubertät und ist erstmal kein Grund zur Sorge. Schließlich sind manche Kinder, genau wie Erwachsene, erblich so veranlagt, dass sie nur langsam zunehmen.Entscheidend ist immer auch die Persönlichkeit des Kindes. Wirkt es fit, gesund und lebensfroh, ist das Untergewicht an sich kein Problem. Ist jedoch das Gegenteil der Fall und es ist eher antriebslos, müde und häufig krank, ist es angebracht, die Gewichtsentwicklung kritisch zu betrachten und den Kinderarzt hinzuzuziehen.